AWO-Positionen zur Bundestagswahl: Bessere Bedingungen für die Pflege

18.08.2021

Die Alten- und Krankenpflege muss attraktiver werden!

Tom Sebastian, Pflegedienstleiter in der SWS Eving:

Eine sehr gute Bezahlung von Pflegekräften ist sicherlich hilfreich, um den Beruf der Pflegefachkraft attraktiver zu machen. Fragen Sie aber aktive Pflegekräfte, dann werden viele benennen, dass sie sich mehr Kolleg*innen wünschen, um einer fachgerechteren und auch menschenwürdigeren Pflege gerechter werden zu können, insbesondere in Krisensituationen wie z.B. der Corona-Pandemie.

Dies kann meiner Meinung nach nur nach den Vorbildern aus Skandinavien gelingen, wo die Pflege fast zu 100 Prozent durch Steuern finanziert wird. Eine höhere Dichte in der personellen Besetzung würde den Beruf sicherlich auch attraktiver machen, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft.

Unattraktiv macht den Beruf oft auch, dass er rund um die Uhr ausgeübt werden muss: also regelmäßig an Wochenenden und Feiertagen. Diese Last könnte sich bei mehr Personal auf mehrere Schultern verteilen und würde jeden Einzelnen somit entlasten. Die Pflege arbeitet schon viel zu lange am Limit und darüber hinaus!

 

AWO Bundesverband fordert: Gute Pflege für alle!

Für eine aktive Umsetzung des Personalbemessungsinstrumentes

Die pandemische Lage hat noch einmal die defizitäre Personal-Situation in der Pflege aufgezeigt. Diese stellt die Pflege seit langem vor große Herausforderungen. Der Personalmangel geht zu Lasten der pflegebedürftigen Menschen und beruflich Pflegenden. Daher fordert die AWO, alle Beschäftigten in der Altenpflege tariflich zu entlohnen und eine angemessene Personalausstattung in der Pflege sicherzustellen. Die Finanzierung von tariflichen Löhnen und mehr Personal muss durch die Pflegekassen erfolgen und darf nicht zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen.

Für eine starke kommunale Seniorenarbeit

Damit Teilhabe verwirklicht werden kann, bedarf es vielfältiger Angebote der Senioren- und Quartiersarbeit sowie Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention im Quartier. Die AWO fordert, in den Kommunen einen präventiven Hausbesuch einzuführen, der allen Mitbürger*innen über 75 Jahre zur Verfügung steht. Die AWO fordert § 71 SGB XII in eine verpflichtende Bestimmung zu überführen und die Leistungen mit einem kommunalen Basisbudget für Bürger*innen über 65 Jahre zu unterlegen.

Für die Entlastung pflegender An- und Zugehöriger

Laut aktueller Pflegestatistik wurden 2019 von 4,1 Millionen Pflegebedürftigen 80,2 Prozent zu Hause versorgt. Bei der Hälfte aller Pflegebe­dürftigen (ca. 2 Millionen) erfolgt die Unterstützung regelmäßig allein durch Angehörige. Ein Drittel der pflegenden Angehörigen sind dabei älter als 65 Jahre. Aufgrund der körperlichen und psychischen Belastung durch die Angehörigenpflege tragen sie selbst ein erhöhtes Risiko für Pflegebedürftigkeit. Die berufstätigen Pflegebedürftigen hingegen sind doppelt durch die Angehörigenpflege und die Berufsausübung belastet. Die AWO fordert daher, pflegende Angehörige angemessen zu unterstützen und zu begleiten, damit sie durch ihre pflegerische Tätigkeit nicht ihre eigene Gesundheit gefährden. Hierfür sind unter anderem auch die Beratungsstrukturen auszubauen.

Für eine bessere palliative Versorgung in der stationären Pflege

Die AWO setzt sich für ein würdevolles Sterben unabhängig vom letzten Wohnort der schwerst­kranken und sterbenden Personen ein. Die AWO fordert vor diesem Hintergrund, sich für eine Verbesserung der palliativen Versorgung und Sterbebegleitung in den vollstationären Pflegeeinrichtungen einzusetzen. Die finanzielle Verantwortung ist - in Anlehnung der Finanzierung stationärer Hospize - in der gesetzlichen Krankenversicherung zu verorten

Quelle: AWO Bundesverband - Positionen der Arbeiterwohlfahrt zur Bundestagswahl 2021

 

Mehr zum Thema Gute Pflege für alle:

  • Pressemitteilung: AWO fordert Pflegereform. Der Bundesverband fordert von der nächsten Bundesregierung, die Reform der Pflegeversicherung zur Priorität zu machen. Zur Pressemitteilung.
  • Warum Raubbau an Pflegenden betrieben wird und wie das System anders aufgestellt werden muss: AWO Bundesvorstandsvorsitzender Jens M. Schubert im Interview.
  • In der vertrauten Umgebung bleiben können und gesundheitlich gut versorgt sein: gerade im ländlichen Raum für Ältere nicht selbstverständlich möglich. Ein Modellprojekt der AWO zeigt, wie es gehen kann. Zum Blogartikel.
  • Palliativmedizin kann das Lebensende schmerzfrei und menschenwürdig gestalten helfen. Aber sie ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Zum Blogartikel.
  • Queere Senior*innen sollen auf eine vielfaltssensible Pflege und Betreuung vertrauen können. Ein Modellprojekt der AWO zeigt, wie es gehen kann. Zum Blogartikel.
  • Einsamkeit betrifft viele Menschen: Mit der Pandemie wurde sie jedoch verstärkt zur Herausforderung. Besonders für Senior*innen und Pflegebedürftige trafen die Kontaktbeschränkungen hart. Zwei Quartiersentwicklerinnen berichten über Strategien: Zum Blogartikel.
  • Digitalisierung bietet Chancen für Pflege und Gesundheit. Sie darf aber menschliche Pflege und Beratung nicht ersetzen, sondern muss sie unterstützen – zum Wohle der Betroffenen, nicht der vermeintlichen Optimierung von Prozessen. Zum Blogartikel.
  • Gesundheitliche Chancengleichheit ist nach wie vor nicht Realität. Das muss sich ändern. Was dafür nötig ist: Zum Blogartikel.

Weitere Positionen und Forderungen der AWO zur Bundestagswahl 2021: https://awo.org/bundestagswahl-2021

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