AWO-Positionen zur Bundestagswahl: Kinderarmut hat viele Facetten

06.08.2021

Petra Bock, Leitung des AWO Kita-Bereichs:

Kinderarmut hat Facetten auf vielen Ebenen. Bezogen auf Eltern, fehlt diesen oft ein Wissen, um Wege, Möglichkeiten und Netzwerke, die sie z.B. als Hilfe zur Selbsthilfe nutzen können. Handelt es sich um Alleinerziehende, um Familien mit Migrationshintergrund, gibt es beispielsweise keine Betreuungsplätze, das Anmeldeverfahren stellt sich als Barriere dar. Hier brauchen die Familien Unterstützung, die die Kitas/ Familienzentren übernehmen.

Wir haben gute Erfahrungen gemacht beim Einsatz von Sozialarbeiter*innen in den Kitas, die Vertrauen bei den Familien schaffen, da sie nicht mit dem Jugendamt in Verbindung gebracht wurden. Die betroffenen Familien zeigen häufig Ängste vor Behörden, die für sie dann ein großes Hindernis darstellen. Kita-Sozialarbeiter*innen können Familien unterstützen, Sprachkurse und Betreuungsplätze zu suchen, Übersetzungen zu organisieren, bei Behördengängen zu begleiten, bei Wohnungsverlust zu unterstützen, um nur einige Beispiele zu nennen. Zudem braucht es ausreichend Zeit, um im Stadtteil vernetzt zu arbeiten und Ressourcen zu bündeln.

Kita-Sozialarbeiter*innen sollten in den Kitas fest verankert werden und das nicht nur projektfinanziert. Die zunehmende „Projektfinanzierung“ in den Kindertageseinrichtungen ärgert mich sehr. Ich empfinde es als riesige Belastung. Hier wird enorm viel Zeit und Arbeitskraft in Anträge, Begründungen, Monitoring usw. gesteckt. Wenn das Geld auch für die Kinderarmut eingesetzt würde, käme es nicht in der Überverwaltung, sondern beim Kind an.

Die Politik ist auch in der Verantwortung gesellschaftlich für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen. Gleiche Bezahlung für Frauen und Männer. Die Wirtschaft dazu animieren und Anreize schaffen, Väter ohne schlechtes Gewissen in Elternzeiten gehen zu lassen. In Schweden z.B. hat die Politik für viel Veränderung in der Einstellung zu Vätern in der Familienarbeit gesorgt. Das ist auch nicht von alleine gekommen. Ich wünsche mir hier mehr Initiative von Seiten der Politik.

 

AWO Bundesverband fordert Kindergrundsicherung in der kommenden Legislaturperiode

Im Rahmen ihrer Schwerpunktwoche „Kinderarmut“ zur Bundestagswahl fordert die Arbeiterwohlfahrt, Kindergrundsicherung im nächsten Koalitionsvertrag verbindlich zu verankern. Man dürfe nicht länger zusehen, wie jedem fünften Kind in Deutschland ein Aufwachsen in Armut zugemutet werde und Zukunftschancen verspielt würden. Jens M. Schubert, Vorstandsvorsitzender der AWO:

„Es ist schlicht ein Skandal, dass es in Deutschland, einem der wohlhabendsten Länder der Welt, nicht gelingt, allen jungen Menschen ein Aufwachsen ohne Armut zu ermöglichen. Wir wissen aus eigener Forschung und Praxis, dass Kinder- und Jugendarmut weit mehr ist als ein punktueller Mangel an Geld. Wir sprechen hier über langfristige Entwicklungsrisiken, die sich häufig bis ins Erwachsenenalter hinein und über verschiedene Lebensbereiche erstrecken.“

Die AWO hält das bestehende Leistungssystem für Kinder und Familien für unzureichend, unübersichtlich und ungerecht. Auf Grund einer komplizierten Vielzahl an Einzelleistungen mit unterschiedlichen Zugangskriterien, Antragserfordernissen, Zuständigkeiten und vielfach ungünstig ausgestalteter Schnittstellen laufen viele Leistungsansprüche ins Leere. „Corona hat die Lage nochmals dramatisch verschärft“, so Schubert, „Neben der Möglichkeit einer armutsfesten Erwerbstätigkeit, einer armutssensiblen sozialen Infrastruktur, passgenauer Angebote für Familien und mehr Bildungsgerechtigkeit brauchen wir endlich eine einkommensabhängige Kindergrundsicherung, die wirklich hilft anstatt wie bisher die bestehenden Ungleichheiten weiter zu zementieren und Bessergestelle auch noch zu privilegieren.“ 

Das Leistungsniveau reicht zudem insgesamt nicht aus, um Kinder finanziell abzusichern und ihre soziale Teilhabe sicherzustellen. Auch die Verteilungswirkung ist kritikwürdig, denn wohlhabende Familien werden über das Steuerrecht für die Bedarfe ihrer Kinder finanziell stärker entlastet. Was für die Bedarfe armer Kinder im Sozialrecht zur Verfügung gestellt wird, ist hingegen deutlich weniger.

Schubert weiter: „Wir sehen, dass die Kindergrundsicherung in den Wahlprogrammen angekommen ist. Die Ideen reichen aber unterschiedlich weit und nicht alle können überzeugen. Fest steht: Das System muss einfacher, stringenter und ohne Stigmatisierungsgefahr gestaltet werden; das Geld muss zu denjenigen Kindern umverteilt werden, die es wirklich brauchen! Das durchgerechnete Konzept liegt längst auf dem Tisch. Jetzt muss es um die politische Umsetzung gehen. Die Kindergrundsicherung gehört verbindlich in den nächsten Koalitionsvertrag! Wer dieses Land zukünftig regieren will, muss eine überzeugende Lösung für eine der drängendsten sozialen Fragen unserer Zeit anbieten.“

Quelle: AWO Bundesverband - Kampagnenwoche-Kinderarmut

Weitere Positionen und Forderungen der AWO zur Bundestagswahl 2021: https://awo.org/bundestagswahl-2021

 

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