Schwieriger Corona-Alltag in der Pflege

25.03.2021

Wie kaum ein anderer Bereich standen die Alten- und Pflegeheime im Fokus der Politik. Das erste Jahr der Corona-Pandemie war für alle Beteiligten vor Ort unglaublich anstrengend und herausfordernd: „Für die Pflegekräfte vor Ort, die Unglaubliches geleistet haben, um sich den Veränderungen anzupassen. Aber auch für Angehörige, die im ersten Lockdown keine Gelegenheit mehr hatten, Angehörige zu besuchen. Und für Bewohner*innen, die sich auf Einschränkungen und Veränderungen einstellen mussten“, erklärt Mirko Pelzer, Leiter des Fachbereichs Senior*innen bei der AWO.

„Können Sie mich mal eben auf Corona testen?“ Der Aufwand für das Personal, Besucher*innen zu testen, wird häufig unterschätzt.

 

Die Dortmunder AWO musste nicht nur den Alltag in der Seniorenwohnstätte (SWS) Eving in Zeiten von Corona organisieren, sondern auch den Alltag der vier Tagespflegeeinrichtungen sowie der Ambulanten Pflege. Während die Herausforderungen im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 in der kompletten Schließung bzw. Abriegelung der Angebote bestand, galt es vor und während des zweiten Lockdowns, die Arbeit unter den sich verschärfenden Infektionsbedingungen zu organisieren.

Für die Angehörigen waren die zeitweisen Besuchsein-schränkungen der SWS besonders belastend. Und die AWO ist den Angehörigen sehr dankbar für das Verständnis und auch die Unterstützungsangebote. Noch härter traf es jedoch die pflegenden Angehörigen, die sich zu Hause um ihre oft dementen Familienmitglieder kümmern und auf die Entlastung durch die Tagespflege-Angebote angewiesen sind.

„Das war eine große Belastung für pflegende Partner*innen - Menschen mit Demenz und hohem Pflegegrad 24 Stunden zu versorgen, ist eine Marathonaufgabe“, skizziert Pelzer die Herausforderung. „Wir haben versucht, durch häufigere Einsätze des ambulanten Pflegedienstes und über Telefonketten Kontakt zu unseren Angehörigen zu halten. Das ist das, was wir bei einem Kontaktverbot als Tagespflege überhaupt leisten konnten. Es war eine sehr harte Zeit - 2,5 Monate.“

Tagespflegen geöffnet

Erst Anfang Juni konnte die Arbeit nach Genehmigung des Hygienekonzeptes in den Tagespflegen schrittweise wieder beginnen. Allerdings musste zur Einhaltung der Abstands- und Hygienerichtlinien die Auslastung reduziert werden. Nach der Einrichtung von Notgruppen wurden alle vier Tagespflegen wieder hochgefahren und auch im zweiten Lockdown weiter betrieben.

In der ambulanten Pflege ging die Arbeit durchgehend weiter. Nachdem es im ersten Lockdown zu Beginn einige Absagen gegeben hatte - einige Patient*innen bzw. ihre Angehörigen wollten zunächst niemanden in die Wohnungen lassen - kamen die vorübergehend freien Kapazitäten den Menschen zugute, die die Tagespflege nicht mehr in Anspruch nehmen durften.

Im Laufe des Jahres entspannte sich die Arbeit und die Einsätze wurden wieder vollständig aufgenommen - bei entsprechenden Hygienemaßnahmen. „Hier gab es Gott sei Dank keine Infektionen bzw. Symptomatiken. Allen geht es gut“, freut sich Mirko Pelzer. Das gilt auch für die Tagespflege, wo schon seit Monaten mit Schnelltests gearbeitet wird. Außer bei einer Auszubildenden, die sich auf einer Familienfeier angesteckt hatte und sich in Quarantäne begeben musste, gab es bisher keine Infektionsfälle in den Tagespflegeeinrichtungen.

Corona-Alltag in der SWS

Deutlich größer waren die Herausforderungen in der stationären Pflege. Gemeinsam habe man in der stationären Pflege versucht, trotz aller Einschränkungen den Lebensalltag der Bewohner*innen so attraktiv wie möglich zu gestalten. „Da kamen die ersten Hofkonzerte, Videokonferenzen und Skype-Anrufe mit Angehörigen und Konzepte, die trotz Corona einen halbwegs normalen Alltag realisieren helfen sollten“, machte Pelzer deutlich.

Hatte es im Sommer vorsichtige Entspannung und Besuche mit Hygieneauflagen gegeben, verschärften sich die Lage und auch die Hygienebedingungen im Herbst 2020. Die Einführung von Schnelltests - auch für Besucher*innen - stellte die Einrichtung auch personell vor neue Herausforderungen. Es war eine hohe organisatorische Anforderung, die schnell umgesetzt werden musste. „Wir konnten da auf Freiwillige zurückgreifen und auf Mitarbeiter*innen aus anderen Bereichen, wie den Seniorenbüros und aus den Tagespflegen, die unterstützt haben“, zeigt sich Pelzer dankbar.

Fordernd war und ist es, die Arbeit unter Hygienebedingungen aufrecht zu halten. Trotz aller Vorsicht gab es auch in Eving erste Infektionen unter Bewohner*innen und Beschäftigten. „Es galt, Quarantäne- und Isolationsbereiche in der Einrichtung zu organisieren, um das Infektionsgeschehen klein zu halten. Es gab enorme Umräum- und Umzugsaktionen. Glücklicherweise gab es großes Verständnis und Unterstützung von Mitarbeitenden, die tatkräftig auch Möbel geschleppt haben. Daher ist es relativ schnell gelungen“, berichtet Mirko Pelzer.

Auch Infektionen im Heim

Durch die schnelle Unterstützung des Gesundheitsamtes mit einer PCR-Reihentestung sei es gelungen, die Welle relativ klein zu halten, so dass Anfang Januar die Infektionen überstanden waren. Insgesamt gab es 30 infizierte Bewohner*innen - über 80 Prozent von ihnen blieb ohne Symptome.

„Sie wären uns ohne die Reihentestung nicht aufgefallen. Auch 15 Beschäftigte waren infiziert - von 102 Mitarbeitenden und 109 Bewohner*innen insgesamt. Allerdings - und das ist der traurige und sehr schmerzliche Teil der Bilanz: Zwei Bewohner*innen sind ursächlich an und zwei weitere in Verbindung mit Covid-19 gestorben. „Alle anderen haben die Infektionen gut überstanden entsprechend der Umstände. Die Bandbreite reichte von ganz leichtem Schnupfen- bis zu sehr starken Grippesymptomen. Das war sehr unterschiedlich“, berichtet Pelzer.

Alle Bewohner*innen und Beschäftigte in Eving wurden bis Februar geimpft. „Daher können wir nun hoffentlich von einem gutem Schutz ausgehen. Wir halten die Hygienemaßnahmen aber weiter aufrecht. Da wird nichts gelockert“, betont Pelzer. „Wir sind weiter auf der Hut und beobachten das Geschehen sehr genau. Wir wissen ja auch nicht, wie unsere Geimpften auf mögliche Mutationen reagieren. Daher lehnen wir uns nicht entspannt zurück.“

Ehrenamt betroffen

Auswirkungen hat Corona auch auf das Ehrenamt: So musste beispielsweise die AWO die Betreuungsgruppe schließen. Auch nach einem Jahr konnte sie die Arbeit nicht wieder aufnehmen - denn auch die Ehrenamtlichen gehören zur Hochrisikogruppe. Bei der Alzheimer-Gesellschaft - viele der Aktivitäten finden im Eugen-Krautscheid-Haus statt - sieht es ähnlich aus. Im Spätsommer fanden erste Angebote im Freien statt - doch die Präsenzangebote mussten im Herbst wegen des steigenden Infektionsgeschehens wieder gestoppt werden.

Allerdings gibt es eine Telefonkette von Angehörigen und dem Gesprächskreis. Auch erste Runden über Videokonferenzen helfen, um sich auszutauschen und Kontakt halten zu können. So lagen bei vielen der teils hoch betagten Menschen Tablets und gebrauchte Laptops unter dem Weihnachtsbaum - daher gibt es nun verstärkt Online-Angebote.

Ähnlich ist es in den Seniorenbüros - sie waren immer telefonisch ansprechbar und organisierten auch erste Video- und Online-Angebote. Aktuell unterstützen sie bei der Vereinbarung von Impfterminen - die technischen Hürden sind für Menschen Ü 80 nicht so leicht zu überwinden.

Pelzer hofft, dass bald wieder verstärkt Präsenzangebote möglich sind. Er hofft und glaubt, dass die Ehrenamtlichen wieder bereitstehen, wenn es wieder losgehen kann. Dann geht hoffentlich auch das programmatische und konzeptionelle Arbeiten weiter. So wurde beispielsweise das viel beachtete Projekt „Queer im Alter“ durch Corona mehrfach ausgebremst.

Die Schulungs- und Sensibilisierungsangebote für Beschäftigte der SWS mussten gleich zwei Mal ausgesetzt bzw. jeweils über Monate vertagt werden. „Wir sind alle nicht froh darüber und die Ehrenamtlichen der Community sind sehr traurig“, berichtet Mirko Pelzer. „Ich wage keine Prognose, wann wir das wieder in Präsenz machen und und das gute Projekt vorantreiben können. Strategische Planungen sind derzeit überhaupt nicht möglich“, bedauert der Leiter des Seniorenbereichs.

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