Anja Butschkau ist die die neue AWO-Vorsitzende in Dortmund

01.03.2020

Der neue Vorstand des AWO Unterbezirk Dortmund

Mit großer Mehrheit bestimmten gestern die 139 Delegierten auf der Unterbezirkskonferenz Anja Butschkau zur neuen Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt in Dortmund. Zu ihren Stellvertreter*innen wählten die Stimmberechtigten Ulrike Matzanke und Oliver Schröer. Anja Butschkau ist für die AWO-Mitglieder und AWO-Mitarbeiter*innen keine Unbekannte. Sie arbeitete 27 Jahre im Verband, zuletzt war sie in Dortmund verantwortlich für die Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit, bis sie 2017 als SPD-Landtagsabgeordnete nach Düsseldorf ging.

Die Kandidatur für den Vorsitz wurde Butschkau vom Vorstand angetragen, nachdem unerwartet die Vorsitzende Gerda Kieninger im Januar verstarb. Sie hätte sich nach 17 Jahren in dem Amt erneut zur Wahl gestellt. Der Vorstand wird komplettiert durch die zehn Beisitzer*innen: Ewald Schumacher, Friedhelm Sohn, Hans van Dormalen, Hans-Jürgen Unterkötter, Brigitte Steins, Brigitte Westphal, Brigitte Jülich, Birgitt Kalle, Werner Rabenschlag und Simone Knipping. Als Revisor*innen nehmen ihre Arbeit auf: Karlheinz Heinrich, Friedhelm Mocek, Wolfgang Wittke, Helmut John und Manuela Stens. Die Wahlen leitete souverän das Präsidium mit Volkan Baran, Sabine Poschmann und Norbert Schilff.

„Haltung zeigen – Werte leben“ hatte die AWO als Motto für die Konferenz formuliert. Dass diese Worte gut gewählt waren, bekräftigten die Gäste in Grußworten und Reden. Oberbürgermeister Ullrich Sierau sprach sehr persönlich von der ehemaligen Vorsitzenden „Gerda, die die Haltung gelebt hat, von der andere nur reden“ und forderte: „Wir müssen das fortsetzen.“ Die AWO sei ein „Garant für soziale Gerechtigkeit“ und „Gerda war in dieser Hinsicht vorbildlich“. Auch Thomas Westphal, als Vertreter des SPD-Unterbezirksvorstandes, und Frank Ortmann für die Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohlfahrtsverbände betonten die Notwendigkeit der Arbeit des Verbandes und die gute Kooperation mit den anderen Verbänden.

Nadja Lüders, Geschäftsführerin der NRW-SPD, bezog sich in ihrer Festrede ebenfalls auf das Konferenz-Motto und das aktuelle Grundwerteprogramm der AWO. „Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – wie kann man das leben? Ihr Delegierte aus den Ortsvereinen tut das jeden Tag.“ Für sie sei es selbstverständlich, in Fortsetzung der Anstrengungen von AWO-Gründerin Marie Juchacz, dass SPD-Mitglieder auch AWO-Mitglieder seien. Das verstehe sich aus dem Wohlfahrtsgedanken der damaligen Politik der sozialdemokratischen Partei. „Haltung zeigen“ forderte sie gegen faschistische Äußerungen. Sie sorge sich sehr, „wie dieses rechte Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft einsickert“. Als Beispiel erinnerte sie an eine Aussage des CDU-Mitglieds Friedrich Merz, der Ursache und Wirkung umdrehe. Um rechtsradikale Parteien und Gruppen zu schwächen, habe dieser angemahnt, die Grenzen zu schließen und die Kleinkriminalität zu bekämpfen. An die Konferenzteilnehmer*innen gewandt sagte sie: „Ihr sagt, was nicht geht und habt dies festgeschrieben in eurem Leitantrag.“

Um Haltung und Werte ging es nicht nur in dem von Lüders genannten Leitantrag, sondern auch in den weiteren, die zu beraten und zu verabschieden waren. So stimmten die Delegierten der Forderung zu, soziale Dienstleistungen nicht an gewinnorientierte Anbieter zu vergeben und den Vorrang der freien Wohlfahrtspflege zu wahren. In Sachen Klimaschutz will der Verband auf kommunaler Ebene Ideen sammeln, wie man sich selbst vorbildlich verhalten kann. Zudem plant man, zusätzliche Angebote in die Begegnungsstätte aufzunehmen und allen Vereinen deutlich zu machen, was seit jeher gilt, aber selten wahrgenommen wird: Die Begegnungsstätten können von allen aus dem Quartier genutzt werden für Versammlungen, Spiel- und Singveranstaltungen, Treffen mit und ohne Programm.

Die unternehmerische Seite der Dortmunder Arbeiterwohlfahrt stellte Geschäftsführer Andreas Gora vor. Mit Blick auf die AWO Kreisverbände in Frankfurt und Wiesbaden betonte er, dass es in Dortmund Strukturen gebe, „die den systematischen Missbrauch verhinderten. Bei uns ist das nicht möglich.“ Gora, der im Sommer als Geschäftsführer ausscheidet und in Rente geht, hob einige „herausragende Beratungsangebote“ im Unterbezirk hervor: das Psycho-Soziale Zentrum für Geflüchtete, die Schwangerschaftskonfliktberatung, die Kurvermittlungsstelle, die diskriminierungsfreie Pflege in der Evinger Seniorenwohnstätte sowie die Offenen Ganztagsangebote an 16 Schulen. Hier wie auch bei den Kindertagesstätten hofft er, dass die Wohlfahrtsverbände diese weiterhin betreiben können und diese Arbeit nicht dem Kommerz untergeordnet werde. „Soziale Arbeit kann man nicht privatisieren“, und falls doch, müssten Regulatoren greifen.

Nach dem Werten des Verbandes gewirkt haben seit Jahren und Jahrzehnten drei Personen, die mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet wurden: Georg Deventer, Arnold Pankratow und Renate Riesel. Deventer ist ein bekennender Antifaschist, engagiert sich in vielen Vereinen und Arbeitskreises gegen Hass und Rassismus. Arnold Pankratow sammelt nach seiner Pensionierung immer noch Spenden für das von ihm entwickelte Projekt Tischlein deck dich, um Kindern an Schulen, in Jugendzentren und Kinderstuben ein Essen zu sichern. Renate Riesel ist seit 25 Jahren Vorsitzende im Ortsverein Kirchderne, hat in dieser Funktion nicht nur für die AWO, sondern auch für die gesamte Nachbarschaft rund um den Merckenbuschweg gewirkt. So sorgte sie unter anderem dafür, dass ein sehr gut besuchtes Jugendzentrum eingerichtet wurde, das der Ortsverein heute immer noch ehrenamtlich unterstützt.

14 Frauen und Männer erhielten das Ehrenzeichen der Arbeiterwohlfahrt, da sie sich in ihren Ortsvereinen, unabhängig davon, ob sie dort einen Funktion übernommen haben oder nicht, seit Jahren, zum großen Teil seit Jahrzehnten, außerordentlich engagieren. Das sind aus dem Ortsverein Asseln/Husen-Kurl Dirk Sparka und Bärbel Kannenberg, aus Brechten-Holthausen Marlies Rocholl, aus Eichlinghofen Jürgen Fischer, aus Eving II Monika Anders, aus Hörde-Süd Roswitha Fenneker, Ingrid Fiebig, Richard Fiebig und Günter Schulte, aus Nordstadt Herbert Domanski, aus Wellinghofen Helmut Weis, aus Westrich-Lütgendortmund Kläre Enderweit, aus Wichlinghofen Heinz Drees und aus Wickede Hilde Stiebert.

Eine ganz besondere Auszeichnung erhielten dann noch vier Personen, die nach Jahren, zum Teil Jahrzehnten, ihre Ehrenämter niederlegten: Eine von Günter Rückert entworfene Skulptur von Elisabeth Kirschmann-Röhl, der jüngeren Schwester der AWO-Gründerin Marie Juchacz. Kirschmann-Röhl hat nicht nur selbst unverzichtbare Arbeit für die AWO in deren ersten Jahren geleistet, sie war auch für ihre Schwester eine unverzichtbare Stütze. Womöglich, weil sie bereits 1930 im Alter von nur 42 Jahren starb, sind ihre großen Verdienste in Vergessenheit geraten. Mit den ersten vier Exemplaren der Skulptur wurde Renate Riesel, Richard Fiebig, Walter Mielke und Wilhelm Möller gedankt.

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